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Stein-Kneippen in Burghausen PDF Drucken E-Mail

Image Der Erfindungsreichtum von Menschen ist schier grenzenlos, wenn sie andere quälen wollen. Einen schauderhaft beeindruckenden Einblick in dieses grauenvolle Phänomen gewährt etwa der Folterturm auf Europas längster Burg im südostbayerischen Burghausen. Streckbänke, Daumenschrauben, Fußzwingen, Ketten, Kohlebecken - das Sammelsurium der Schreckensinstrumente dokumentiert arg finstere Kapitel der Menscheit, in denen der Schmerz die Hauptrolle spielte.

Schnitt. Wie sind nicht länger in dem beklemmenden, feucht-dunklen Mauerverlies, sondern in freier Natur. Es ist halb acht Uhr am Morgen, die Luft rein und ein wenig schwer von morgendlicher Feuchtigkeit, der Nebel liegt noch im Tal und lässt die Salzach-Stadt Burghausen fürs erste nur erahnen. Außer einer verstimmten Amsel ist nichts zu hören.

Oder doch? Ist da nicht ein leises Ächzen und regelmäßiges, aber angestrengtes Atmen? Ein gelegentliches Zischen, wie wenn aufgestaute Luft ruckartig entweicht? Doch, doch. Und ja: Auch Schmerz ist wieder mit von der Partie. Den sich die Delinquenten diesmal allerdings selbst und freiwillig zufügen, hier in Burghausen. Genauer gesagt: beim Stein-Kneippen hinter dem Hotel „Bayerische Alm".

Mit Stock und Pein
Die Tortur findet statt auf einem 153 Meter langen Parcours, der zunächst völlig harmlos aussieht: eine ovale Strecke im Gras, die nur von drei friedvoll anmutenden Becken mit Steinen unterbrochen wird.

Spätestens eine halbe Minute nach Parcours-Start ist es allerdings aus mit dem Idyll. Wir gehen barfuß - „schön mit der Ferse auftreten und den Fuß sauber abrollen", fordert unser Coach, der Physiotherapeut Reinhold Grundke - über weiches Gras und dann ins erste Steinebecken. Und wissen sofort: Der Schmerz muss hier in Burghausen irgendwie zuhause sein!

Die Steine, gleichwohl im Durchschnitt eigroß und abgerundet, bohren sich mitleidslos in die verweichlichten Städtersohlen. Gott sei Dank nur noch zwei Meter, dann kommt Rasen!




©Text und Fotos: Andreas Schätzel
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