Advertisement
 
Home Kontakt
 
Home
Deutschland
Frankreich
Griechenland
Italien
Österreich
Portugal
Schweiz
Slowenien
Spanien
Ungarn
Index
Links
Kontakt
Suchen
  Home arrow Frankreich arrow Lille  
   
 
Lille PDF Drucken E-Mail
Lille, die Heimat Charles de Gaulles und Kulturhauptstadt Europas 2004, und ihre Region überraschen mit Spitzenleistungen auf den Gebieten Kunst, Kultur und Küche ihre Besucher

Streift man durch die Europäische Kulturhauptstadt Lille, stößt man allenthalben auf freundliche und aufgeschlossene Menschen. Doch spätestens bei einer Stadtführung kriecht die dunkle Vergangenheit aus den Häusern des Boulevards, aus den Häusern, die den großen Markt säumen. Linkerhand haben die Deutschen des Kaisers Wilhelm II. von 1914 an gehaust, rechts die Soldaten Hitlers im Zweiten Weltkrieg. Natürlich bekommt man als Deutscher schnell ein schlechtes Gewissen, das sich aber bald in eine heitere Zuversicht verwandelt. Lille ist nämlich auch die Geburtsstadt Charles de Gaulles, der mit Adenauer ein Wunder zustande bringt, für das wir den beiden nicht genug danken können. Und da man dies genauso in Lille sieht, genießen wir die Höflichkeit im Hotel, am Bahnhof und in den Restaurants, wo der Fisch der nahen See schon sehr gut schmeckt und man neben einheimischen Weinen auch frisches Bier kredenzt.

(Eigener Bericht) - Lille, pulsierende Metropole Französisch-Flanderns, wird 2004 mit dem Prädikat Kulturhauptstadt Europas geehrt und erlebt seitdem einen nie dagewesenen Besucherandrang. Eine heitere Stadt, die eine Lilie im Wappen führt und voller Enthusiasmus einen Prospekt drucken läßt, in dem wir lesen: „Eine Einladung zum Träumen, zum Kennenlernen, zum Feiern und zu einer neuen, für Europa und die ganze Welt offenen Lebensart. Entdecken Sie unter den hängenden Wäldern, in den Küchen und Gärten der maisons Folie, auf den neuen Stadtpromenaden, in den Theatern, den Museen und den geheimen Stätten unzählige künstlerische Projekte." Ein kurzes Wort dazu: In Lille und der Umgebung werden 2004 ehemalige Fabrikanlagen oder „Stätten des Kulturerbes" zu maisons Folie umfunktioniert. Wir lesen darüber im Prospekt: „Als moderne Symbole einer neuen Lebensart bilden diese Häuser Raum für das alltägliche Leben sowie für Feierlichkeiten und versammeln sowohl Künstler als auch Anwohner." Man könne dort Gärten anlegen, Feste organisieren, Bücher ausleihen, Musik hören.
Wir spüren also schnell, Kunst und Kultur gehören hier zur Lebensqualität wie das feine Speiselokal und die Oper. Und so sind wir nicht überrascht, als uns ein bejahrter Käsehändler am Markt erklärt, das Museum für Schöne Künste sei das (nach dem Louvre) zweitgrößte in Frankreich. Er spricht ein bißchen Deutsch und als er uns auf die Schulter klopft, denken wir daran: Er könnte gegen meinen noch lebenden Onkel im Feld gestanden haben. In Lille kann man solche Gedanken nicht wie einen geleerten Teller zur Seite schieben. Und so sind wir schneller mitten in der Geschichte als anderswo. Sie ist nämlich nicht nur interessant, sondern auch sehr deprimierend. Die Stadt steht im zweiten Millennium fast ständig im Interessengebiet habgieriger Könige und Politiker aus Frankreich und Deutschland, Flandern und Österreich. 1477 fällt die 1054 erstmals erwähnte Siedlung an die Habsburger, 1667 erobert sie Ludwig XIV, 1708 nimmt sie Prinz Eugen nach einer hartnäckigen und blutigen Umzingelung wieder ein, aber schon fünf Jahre später haben die Franzosen abermals das Sagen. 1792 wird die Stadt erfolglos von den Österreichern belagert.

Die Geburtshäuser de Gaulles und Lalos
Die begehrte Beute Europas ist nicht nur eine strategisch wichtige, sondern immer schon eine relativ wohlhabende Stadt. Mit einem respektablen Binnenhafen und einer Textilindustrie, die Geld und Geltung aus aller Welt einbringt. Der Maler Jean Baptist Wicar (Vicar) wird hier 1762 geboren, Schüler von Watteau und Günstling Napoleons. Er geht 1800 nach Rom, wo er mit seiner Kunst die Gunst des Papstes erringt. Zu Hause in Lille blüht gerade der Kupferstich. Die hier von seinem Landsmann Albane angefertigten Reproduktionen antiker Kunstwerke gehen um den Globus.1823 wird in Lille der Komponist Edouard Lalo geboren, einer der ersten Vertreter der neuen impressionistisch ausgerichteten französischen Schule. Er schreibt Opern und Ballette, Violinkonzerte und Lieder. Als er 1892 in Paris stirbt, ist Charles de Gaulle auf den Tag genau 17 Monate alt. Die Geburtshäuser beider stehen noch heute und sind durch Gedenktafeln gekennzeichnet.
Der kleine Charles bewundert natürlich die Befestigungen seiner Heimatstadt, die kein Geringerer als der große Kriegsbaumeister Sébastien Vauban (*1633 Saint-Léger-Vauban) angelegt hat. So gilt Lille in Frankreich als Bastion ersten Ranges. Im Jahr 1895, de Gaulle feiert gerade seinen fünften Geburtstag, ändert das Kriegsministerium in Paris das Stadtbild dann plötzlich total. Man gibt die Festung auf und ersetzt sie durch eine grandiose Sicherheitsumwallung (Umfang 50 Kilometer).
Das soll sich aber bald als Fehler herausstellen. Die Deutschen haben nämlich 1914 keine Schwierigkeiten, die reiche Stadt zu nehmen. 65 Tage nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges


Nur wenige Städte erfahren die Verbrechen an den Völkern Deutschland und Frankreich so intensiv wie Lille. Der Haß geht nicht nur von den Politikern (Wilhelm II., Hitler usw.) aus, sondern sogar von den Bischöfen. Einer, der widerlichsten Figuren ist Kardinal Faulhaber. Er weilt während des Ersten Weltkrieges wiederholt in Frankreich und feuert die deutschen Soldaten zum Töten an. 1915 predigt er: in Lille: „Eisenpillen bringen Bluterneuerung." Und: „In der Rangordnung der Liebe hat das Heimatland den Vorrang vor dem Ausland." Schließlich: „Das Evangelium hat für den Krieg nicht nur einen Waffenpaß, es hat für ihn sogar einen Waffensegen."


marschiert die sechste deutschen Armee in Lille ein. Die Besatzung weicht nicht mehr bis zum Zusammenbruch 1918. Eine böse Zeit für Lille, die der Dichter Georg Britting (*1891 Regensburg) in seiner Novelle Das treue Eheweib schildert. Es läuft einem eiskalt über die Schulter, wenn man vom „Heldentod" des Pioniers Karl Frerking liest, von den Verwundeten und Grantfeuern. Eines der Soldatengedichte wird sogar in der Liller Kriegszeitung abgedruckt. In einem Vers heißt es:

„Der Schneewind bläst

Durch flandrisches Land,

Er weint in den Bäumen

Am Ackerrand."

Das Gedicht des Oberstleutnants und Arztdichters John McCrae (*1872 Guelph/Kanada) In Flanders Filelds (1915) geht indes um die Welt. Er stilisiert darin den roten Klatschmohn, der überall um Lille blüht, zum Gefährten der Gefallenen: „If ye break faith with us who die/ We shall not sleep, though poppies grow in Flanders flields."
In Flandern bekämpfen sich aber nicht nur die als Erb- und Erzfeinde geltenden Franzosen und Deutschen, sondern auch die Katholiken unter einander. Der bayerische Feldpropst und Bischof Michael Faulhaber (*1869 Klosterheidenfeld bei Schweinfurt) tritt hier auf und feuert seine Landsleute an, erbarmungslos auf die Feinde zu schießen. Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, aber der Kirchenfürst predigt im Frühjahr 1915 in Lille tatsächlich Über die drei Gnaden im Felde.
Und selbst das gehört zu den Verrücktheiten dieser schlimmen Jahre: Das besetzte Lille zeigt den Deutschen auch die süßen Zeiten des Lebens. Überall bieten die Frauen und Mädchen ihre Dienste an. So lernt der bayerische Obergefreite erstmals raffinierte Unterwäsche der schlanken Feen der Picardie kennen - und natürlich mehr. Bald werden nach Darstellung des Dichters Josef Hofmiller (*1872 Kranzegg/Allgäu) Lieder gesungen, die bei manchen auf blankes Entsetzen stoßen:

„In Lille, in Lille, da weht der Wind so still,

In Lille, in Lille, da kriegt man was fürs Gefühl."

Auf unseren Spaziergängen durch diese Stadt, die neuerdings intensive Beziehungen zu China unterhält, scheucht das reichhaltige Kulturangebot solche Gedanken wieder kurz weg. Im Museum der Schönen Künste sehen wir Spitzenleistungen Europas zwischen Romanik und Romantik. Zu bewundern sind dort das Martyrium der lieblichen Katharina und die pralle Venus, Madonnen und Modepuppen, das Leiden Christi und die Leidenschaft junger Menschen.

Ausflüge zu Robespierre nach Arras und zu Watteau nach Valenciennes
In den Vordergrund stellt Letztere das Museum im nahen Valenciennes, wo 1684 Watteau geboren wird, und man natürlich dem großen Sohn der Stadt huldigt. Immer wieder sehen wir das wichtige Genre seiner Zeit: Überfahrt der Liebespaare auf die Insel Zypern, dem Geburtsort der Venus. 1714 führt dorthin auch der große flämische Maler Francois Eisen (*1695 Brüssel) seine in Valenciennes geborene Freundin Marie Marguerite Gainze und anschließend an den Traualtar.
Und ein zweiter Ausflug ist ratsam. Wer in Lille weilt, sollte auch einen Abstecher in das nahe Arras machen. Zauberhaft der Grand'Place mit 155 Häusern (im flämischen Barockstil), dicht aneinander gereiht. Dann steht noch das Geburtshaus von Maximilien Robespierre (*1758), der wahrlich die Welt verändert hat. Seiner Entschlossenheit danken die Republiken Frankreich und Deutschland letztlich ihre Existenz. Nach einer fürchterlichen Geschichte beider Nationen schreitet dann ein großer Mann über den Rhein und reicht den Nachbarn die Versöhnungshand. Mit Adenauer gründet er einen Pakt, der auch den Deutsch-Französische Jugendaustausch beinhaltet. Eine Stadt tut sich dabei besonders hervor: Lille, die Geburtsstadt des Charles de Gaulle.

Informationen:

  • Comité Départemental de Tourisme du Nord : Tel. : 0033 320575959
  • Office du Tourisme de Lille : Tel. : 0033 3599579
  • Office de tourisme d'Arras: Tel. : 0033 21512695
  • Französisches Fremdenverkehrsamt in Frankfurt : Tel. : 049 6997580141;
  • Internet: www.franceguide.com

 

 

 


Rudolf Reiser
 
   
     
         
 
Home Impressum Login