Advertisement
 
Home Kontakt
 
Home
Deutschland
Frankreich
Griechenland
Italien
Österreich
Portugal
Schweiz
Slowenien
Spanien
Ungarn
Index
Links
Kontakt
Suchen
  Home arrow Deutschland arrow Gäuboden  
   
 
Gäuboden PDF Drucken E-Mail
In der „Kornkammer Bayerns" findet man am Rande üppiger Getreidefelder und Weinhänge auch großartige Schlösser und Wallfahrtskirchen der besten deutschen Barockkünstler Hoch oben von der Walhalla bei Regensburg überblickt man ein Stück Land, das so unbekannt wie herrlich ist. Römer und Nibelungen durchziehen es, Frauen werden als Hexen verbrannt, Albrecht Altdorfer malt, Albertus Magnus wohnt hier. Der fruchtbare Gäuboden, der sich von Regensburg bis über Straubing erstreckt, macht Herren und Bauern reich. Aus der Donau fischt man den köstlichen Waller, am Nordufer des Stroms wächst Wein, so mild ist das Klima. Eine Reise in eine Welt, in der sich über goldenen Weizenfeldern alte Grafenschlösser, bischöfliche Burgen und legendenumwobene Pfarr- und Wallfahrtskirchen erheben!

Von Rudolf Reiser

Als Freiheitsdichter Ernst Moritz Arndt (*1769 Rügen) vor zwei Jahrhunderten mit dem Schiff von Regensburg nach Straubing fährt, erfreut er sich "des wunderschönen Anblicks der Welt". Zur Linken sieht er die sanft ansteigenden Berge ("hie und da mit Reben bekränzt"), zur Rechten "die fruchtbare und kornreiche Fläche, Dörfer, mit Stroh und Schindeln gedeckt, doch alle mit schönen stattlichen Kirchen". Rinder- und Roßherden, blühende Wiesen, Donauschiffe und die "wunderlichen Krümmungen" des Stroms machen ihm die Reise unvergeßlich. Nicht anders ist es heute.

Mörikes Entzücken
Auf einer Rundtour, die in Regensburg beginnt und endet und rund 120 Kilometer mißt, kann man einen Landstrich bewundern, der großzügig verborgene Schätze freigibt. Wir blicken fast immer auf satte Rebhänge und Getreide- und Rübenfelder. Als Ausgangspunkt empfehlen wir das im Osten Regensburgs gelegene Schlößchen Pürkelgut, die Schwelle zur "Kornkammer Bayerns." Am 23. April 1809 kuriert hier Napoleon (*1769 Ajaccio) seine erste und einzige Verletzung aus. 1844 kaufen es die Thurn und Taxis. Im Oktober 1850 erholt sich hier Eduard Mörike (*1804 Ludwigsburg) und schwärmt seitenlang von der Aussicht. "Diese schön bewachsenen Höhen gehören durch den unbeschreiblich mannigfaltigen Wechsel der Beleuchtung, vornehmlich den tiefblauen Duft der vordersten Partien, zum Lieblichsten, was dieser Aufenthalt darbietet."
Auf der Landstraße nach Süden dringen wir jetzt in altes Adels- und Bauernland ein. Nächste Station: Köfering. Links und rechts "vorzüglicher Waizenbau", wie es in einem Geographiebüchlein 1856 heißt. Im Wasserschloß des Ortes wohnen die Grafen von Lerchenfeld, die es im 16. Jahrhundert erwerben. Ein Mitglied der Familie gebraucht die ersten arabischen Zahlen in Deutschland. Hugo von Lerchenfeld (*1871 Köfering) wird 1921 bayerischer Ministerpräsident, tritt aber nach 13 Monaten zurück, als seine konservativen Gegner erfahren, daß er mit einer geschiedenen Amerikanerin verheiratet ist. Man hat im Schloß immer prominenten Besuch, aus Petersburg genauso wie aus München.
Von Köfering sind drei Kilometer nach Alteglofsheim. Im Schloß wohnt im 18. Jahrhundert Reichsvizekanzler Königsfeld (*1679 Zaitzskofen). Cuvilliés liefert 1729 die Entwürfe für die "Schönen Zimmer", die Gebrüder Asam statten zur gleichen Zeit den Ovalsaal aus. Cosmas Damian malt das grandiose Deckengemälde. Er stellt die Gräfin Königsfeld als nackte Venus dar. Der Gatte erscheint als Apollo, der den Sonnenwagen lenkt, der Großvater als streitbarer Mars. Ein unglaubliches Szenario: Die 42jährige Gräfin, eine geborene Preysing, ist nicht immer treu, was auch die zwei schnäbelnden Tauben (Symbol der Venus) unter ihrem entblößten Körper andeuten.


Der Gäuboden mit seinen prallen Kornfeldern ist bis ins 20. Jahrhundert die reichste Region Bayerns. So wundert es auch nicht, daß für deren Kirchen und Schlösser die besten Künstler tätig sind: Die Familie Asam (Hans Georg *1649 Rott am Inn; seine Söhne Cosmas Damian *1686 Benediktbeuern, Egid Quirin *1692 Tegernsee), Johann Michael Fischer (*1692 Burglengenfeld), Francois Cuviellés (*1695 Soignies/Hennegau), Franz Xaver Feichtmayr (*1705 Wessobrunn) und der gleichnamige Sohn (*1735 Augsburg), Matthäus Günther (*1705 Tritschengreith bei Unterpeißenberg), Ignaz Günther (*1725 Altmannstein/Oberpfalz), Georges des Marées, auch Desmarées genannt (*1697 Österby/Schweden).


Jetzt steuern wir Aufhausen an. Schon von weitem sieht man auf einem Bergkegel die Barockkirche Maria Schnee. Bayernherzog Tassilo III. (*746) residiert hier kurz, knapp zwei Jahrhunderte später Kaiser Otto der Große (*912). Der heilige Georg Seidenbusch (*1641München) gründet die Wallfahrt, Johann Michael Fischer baut 1736 das Gotteshaus. Das Marienbild (von Jörg Breu, um 1510) in der linken Kapelle zählt zu den besten deutschen Renaissancewerken. Aus dem Nachbarhaus holt 1911Karl Valentin (*1882 München) seine Frau Gisela, Tochter des Dorfschmiedes Royes.

Straße der Römer und Nibelungen
Südlich von Aufhausen verläuft die einst frequentierte Ochsenstraße, ein Römerweg von Eining nach Straubing. Auf ihm ziehen Kaiser und Soldaten von Obergermanien nach Pannonien und 800 bis 1000 Jahre später die Nibelungen. Wir überqueren diese kulturträchtige Straße bei Wallkofen und erreichen kurz niederbayerisches Gebiet. Erstes Ziel ist die Barockkirche Hadersbach. Matthäus Günther malt sie 1766 aus, der Wessobrunner Leonhard Feichtmayr stuckiert. Wunderbar die Decke mit Szenen aus dem Himmel und Bayernland samt Rauten und einem Selbstbildnis von Meister Günther. Über Geiselhöring (Peterskirche mit Werken Günthers und Franz Xaver Feichtmayrs) erreichen wir Haindling. Zwei Barocktürme grüßen in den weiten fruchtbaren Gäuboden. Die Madonna innen zertritt dem Türken im Halbmond den Kopf, ringsum Votivtafeln, die zeigen, daß einmal eine berühmte Wallfahrt hierher führt. Heute macht den Ort der gleichnamige Sänger und Musiker (Haindling) bekannt.

Mätresse des Erzbischofs
Nach diesem Abstecher kehren wir wieder in die Süd-Oberpfalz zurück, nach Sünching. Das achteckige Schloß aus dem 16. Jahrhundert gehört den berühmten und berüchtigten Grafen von Seinsheim. Maria Johanna(*1719) aus dem Geschlecht vergnügt sich als Mätresse des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Clemens August am Rhein, Neffe Adam Friedrich (*1708) leitete als Fürstbischof von Würzburg und Bamberg die Schulreform in Franken ein. Ihr Stammschloß birgt heute das Feinste vom Feinen: Treppengeländer von Cuvilliés, Altar in der Kapelle und Kaminplatten im Saal von Ignaz Günther, Stuck von Cuvilliés und Franz Xaver Feichtmayr (Vater und Sohn), Deckenfresko von Matthäus Günther, Familienporträts zum Teil von Desmarées.
Sieben Kilometer von Sünching entfernt das ehedem Seinsheimsche Schloß Schönach! Der Rittersaal mit seinen leichtgeschürzten Frauen an der Decke erlebt große Feste, an denen auch Bauernburschen in Tracht (scharlachrote Joppen mit silbernen Knöpfen und schwarzen Lederhosen) und ganz in weiß gekleidete Mägde teilnehmen. Bayerns erste Königin Caroline (*1776 Karlsruhe) fühlt sich hier wohl. "Das Schloß ist sehr bequem und die Umgebung sehr hübsch", schreibt sie. Unweit Schloß Rain. Der Bau mit einer einst stattlichen Bibliothek und Waffenkammer stammt aus der Zeit um 1550. Heute sieht man innen noch Stuckdecken mit Engeln und Wappen.
Auf der Weiterfahrt nach Osten besuchen wir zwei Barockkirchen. Zuerst die Wallfahrt Frauenbründl, die in Verbindung mit einer Heilquelle steht. Der Bau wird 1707 vollendet. Die Decke bemalt Hans Georg Asam. Dann überqueren wir die Donau und peilen das Marienheiligtum Sossau an. In einem Büchlein (1720) lesen wir, daß Engel die Kirche von einem protestantischen Ort hierher gerudert hätten. Dieses Wunder, so heißt es weiter, werde man "glauben, wann du anderst Mariae Liebhaber bist". Einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1791 entnehmen wir, daß die Bayern die Wallfahrt hierher "für die berühmteste in ganz Deutschland" halten. Auf großen Bildern liest man noch heute, wie Maria in verschiedenen Nöten geholfen hat. Reizvoll die Stadtsilhouette von Straubing darauf!
Jenseits der Donau beginnen wir - vorbei an bunten Bauerngärten mit goldenen und blauen Glaskugeln - die Rückreise nach Regensburg. Prächtig liegt die Burg Wörth. Von hier hat man einen phantastischen Blick auf das alte Hexenland um Geisling. Um 1700 werden Frauen des Dorfes und der Umgebung verdächtigt, mit der Hölle im Bunde zu stehen. Bei der Folter machen sie "ein solches Gesicht und Augen, als wenn sie von dem leidigen Teufel wahrhaft besessen wären", wie es in einem Bericht der Zeit heißt. Zum Schluß werden die armen Geschöpfe erdrosselt und in den Scheiterhaufen geworfen. Noch vor 50 Jahren sind in der Gegend die "Geislinger Hexen" sprichwörtlich.
Die trüben Gedanken werden wir im Weinort Bach los. Winzer kredenzen ihre eigenen Erzeugnisse zu O'batztn, Blauen Zipf und Schinkenplatten. Besonders geschätzt wird der hiesige Rebensaft von den Regensburger Oberhirten. Als 1633 die Schweden die Stadt einnehmen, finden sie im Bischofshof "einen unglaublichen Vorrath von Bachener Weinen". Weiter geht die Reise nach Donaustauf. Hier zieht Philosoph Albertus Magnus (*um 1200 Lauingen) "die Höllengeister herbei, denen er sein All-Wissen verdankt", wie er selber zum besten gibt. Nach ihm malt an Ort und Stelle Albrecht Altdorfer (*um 1480) das erste Landschaftsbild Europas (München, Alte Pinakothek). Achim von Arnim (*1781 Berlin) siedelt hier seine Novelle Angelika die Genueserin an und Kaiser Franz Joseph (*1830 Wien) erfährt in Donaustauf von der Hinrichtung des Kaisers von Mexiko, seines Bruders.
Unsere Reise lassen wir auf der Walhalla ausklingen. Von Bayernkönig Ludwig I. (*1786 Straßburg) und Leo Klenze (*1784 Schladen bei Goslar) für die besten Deutschen erbaut, eine Imitation des Hephaistostempels in Athen! Wir schauen ein letztes Mal auf den Gäuboden. Und vollends tut sich die Schatztruhe Geschichte auf, wenn man in die Walhalla einzieht. Hier thronen Götter, Geist und Kunst über einem der reizvollsten Landstriche Deutschlands.

Informationen:

  • Tourismusverband Ostbayern e.V. Luitpoldstraße 20, 93047 Regensburg, Tel. 0941/58539-0, Fax 0941/58539-39, www.ostbayern-tourismus.de
  • Amt für Tourismus Straubing: Tel.: 09421 944307, E-mail: ;
  • Internet: www.straubing.de
  • Tourist-Information Regensburg: Tel.: 0941 5074410; E-mail: ;
  • Internet: www.regensburg.de

 

 


Eigener Bericht
< zurück   weiter >
 
   
     
         
 
Home Impressum Login