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Athen PDF Drucken E-Mail
Eine Reise in die Urzelle der Freiheit und Demokratie illustriert schlaglichtartig die Werte der Europäischen Union und die Bedeutung des Symbols Eule auf der griechischen Euro-Münze Trost Europas, Ziel der Welt Der Gebildete kennt Athen. Akropolis und Agora zählen zu den bekanntesten und ehrwürdigsten Topoi, zum Hort der Freiheitskämpfer. Ihr Kennzeichen ist die Eule, der Vogel der Göttin Athene, die der Stadt den Namen gibt. Es schmückt Münzen und Mauern, Geschirr und Gestein. Weltweit gilt dieses Federvieh der Nacht als Symbol der Klug- und Weisheit. Bibliotheken führen es ebenso in ihrem Emblem wie Universitäten und Bücherliebhaber. Auf diesen Umstand sollte man sich besinnen, wenn man die Stadt besucht und politische Lösungen sucht. In keinem Land der EU kann man besser studieren, was diese Gemeinschaft braucht und nicht braucht. Man spürt auf Schritt und Tritt, wie kost- und unverzichtbar die Freiheit ist und wer sie bedroht. So behauptet schon lange vor Christus der geniale Philosoph Sokrates (*470 Athen), seine Heimatstadt „ist wegen ihrer Weisheit und Stärke unter allen Städten am größten und berühmtesten." Und der Naturhistoriker Plinius Secundus (*23/24 Como) denkt fünf Jahrhunderte später nicht anders: „Diese Stadt ist frei und bedarf keiner Lobrede, so groß ist ihr Ruhm."

(Eigener Bericht) - Freiheit und Demokratie (ein griechisches Wort), das sind die Fanale, die Athen der Welt zu geben vermag. Man hat diese Güter oft verloren, und so hält man noch heute Türken und Militärs nicht in bester Erinnerung. An das römische Joch vor 2100 Jahren erinnert man sich dagegen kaum mehr. Ein Blick in die Bücher Ciceros (* 106 Arpinum) zeigt, daß dieser Römer die Griechen gar nicht schätzt . „Sie sind nun einmal unzuverlässig", behauptet er. Er hätte noch hinzufügen müssen: Weil sie in ihrem Freiheitsdrang nicht von Rom unterjocht sein wollen. Nach Cicero denkt freilich Kaiser Augustus (*63 Velletri bei Rom) wieder so ganz anders. Für ihn sind die Hellenen die klassischen Vorbilder in vielerlei Hinsicht. Vor der griechischen Küste (Actium) erringt er 31 seinen größten Sieg, den gegen Antonius und Kleopatra. Jetzt kann er seine Friedensherrschaft antreten. Ist es Zufall oder nicht, im Archäologischen Nationalmuseum Athens steht der Rest einer Metallplastik im Zentrum des ersten römischen Saals. Der Imperator schaut mit großen Augen auf sein Volk und nun auf die Besucher aus aller Welt.
Und so hat die weltberühmte Hauptdarstellerin in Stella (1955) und Sonntags - nie (1959) einen nicht unbedeutenden Anteil an der Befreiung ihrer Heimat 1974. Sie wird danach Parlamentsabgeordnete und 1981 Ministerin für Kultur. Ihre Reden faszinieren den Globus, ihr integres Auftreten nötigt den Menschen Respekt ab. Von den Engländern verlangt sie die Rückgabe der von ihnen rechtswidrig erworbenen Antiken von der Akropolis. Sie kann sich nicht durchsetzen, aber sie sagt auch, das Unrecht wird nicht lange Bestand haben. 1994 stirbt die Mercouri in ihrer Heimatstadt. Viele stellen sie den großen Philosophen der Antike zur Seite.

Der auf dem Rücken liegende Mond
Die Lieder der Mercouri erklingen heute in den Geschäften und Restaurants der Pláka (= Platte), wie das blitzsaubere Viertel unter der Akropolis heißt. Hier ist sie als Kind und Kulturministerin zu Hause, hier werden heute ihre CDs angeboten und verkauft. Und wenn Reisen und Speisen eine ideale Symbiose bilden, dann hier. Wir lauschen der großen Griechin im Restaurant EPMEION (Hermaion) und erfahren inmitten einheimischer Lebenslust, was es heißt, frei sein zu dürfen. Die freundlichen Ober hier und die quirlige Kellnerin servieren das beste im Reiche des Lukullus. Und das alles zu Preisen, die zusätzlich ergötzen. Ein Liter Wein 12 Euro, ein Schwertfischspieß 13,50 Euro usw.
Wir verlassen das Lokal am letzten Abend unseres Aufenthalts mit dem Vorsatz, wieder hierher zu kommen. Der aufgehende Mond liegt gerade auf dem Rücken und erinnert so an die Nachbarn im Osten, wo ja Morgen für Morgen die Sonne aufgeht. Und wir denken an den großen dänischen Philosophen Kierkegaard (*1813 Kopenhagen), der sich in einem wunderbaren Gedankenspiel ergeht: „Es gibt wenige Worte, mit denen die Menschen, ohne es zu wissen, so viel sagen wie mit dem Wort orientieren; es ist ein weltgeschichtliches Mahnmal - die ganze Geschichte geht vom Osten aus, dem Ursprungsland des Menschengeschlechts." Und so verabschieden wir uns von einem Land, das geographisch zwischen Orient und Okzident steht, aber ebenso fest zu den Grundsätzen des Westens. Lauschen wir nochmals dem Dänen Kierkegaard: „Die Griechen bleiben doch mein Trost."

Weiße Rosen neben Melina Mercouri
Athen kennt und anerkennt meistens seine Gönner und Beschützer, noch viel mehr durchschaut es die Feinde, die von außen und von innen auf der Lauer nach Beute liegen. Und so ist es mehr als ein Symbol, wenn man das Denkmal der großen Freiheitskämpferin Melina Mercouri (*1925 Athen) direkt unter der Akropolis findet. Ein Marmorstein mit dem Antlitz dieser wunderbaren Frau, die lächelt, aber oft nichts zu lachen hat. Neben ihr blühen weiße Rosen, welch herrlicher Einfall der Gartenarchitektur. Als die Obristen 1967 putschen und das Land in eine Diktatur verwandeln, emigriert sie und peitscht die Welt gegen das Unrecht in der Heimat auf. Mit dem Verlust ihres Passes soll ihr Freiheitswille gebrochen werden. Doch wie täuschen sich die Diktatoren! In ihren 1971 veröffentlichten Memoiren (Ich bin als Griechin geboren) schildert sie ihren Zorn. „Das Liebste auf der Welt ist mir Griechenland. Aber das griechische Meer, die griechischen Berge, die griechische Sonne und das Licht der Sonne auf den Bergen sind unerreichbar für mich." Ihre Botschaft damals: „Ich bin Griechin, ich muß frei sein."

 

Informationen:

  • Griechische Zentrale für Fremdenverkehr (EOT): Tel.: 0021 0870 70000; E-mail: ;
  • Internet: www.gnto.gr
  • EOT - Direktion für Deutschland: Tel.: 069 257827/0; E-mail:
  • EPMEION: Tel.: 0021 03247148; Internet: www.hermion.gr

Literatur zu Athen:

  • Melina Mercouri: Ich bin als Griechin geboren
  • Heydenreuter,Murken,Wünsche: Die erträumte Nation, Griechenlands Wiedergeburt im 19. Jahrhundert

 


Rudolf Reiser
 
   
     
         
 
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